Geschichte

Der 1871 in Großbottwar geborene Gottfried Fink, entstammte einer alten,
seit 1562 in  Großbottwar, ansässigen Wengertersfamilie.

Er erlernte das Küblerhandwerk und arbeitete in Stuttgart.
Vermutlich in einer der damaligen Brauereien.
Dort lernte er auch seine erste Frau Anna, geborene Blattmann, kennen.
1902 heiratete er die Hutmacherstochter.

Im Jahre 1908 zog es ihn dann doch wieder ins Bottwartal und er kaufte die Schildwirtschaft Traube in Hof und Lembach und den Amselrain, einen Weinberg, von einem Herrn Goll.
Die ursprünglichen zwei Gebäude stammten aus der Zeit um 1693 und hatten eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Erbschaftsstreitereien und Nutzungsänderungen.
Herr Goll war der siebte Hausbesitzer der als Wirt versucht hat in Hof und Lembach von der Traube zu leben.

Nach nur fünf Jahren verkaufte er an meinen Großvater Gottfried Fink.
Seine Ehe blieb kinderlos und seine Frau starb früh im Jahre 1914.

Doch schon 1915 heiratete er die 1890 in Lembach geborene Pauline Maier, meine Großmutter. Pauline, eine gelernte Hebamme und Haushälterin in einer angesehenen Ludwigsburger Offiziersfamilie, sorgte mit ihrer reinlichen und korrekten Art dafür, dass die Wirtschaft und der dazugehörige Kolonialwarenladen die Familie ernähren konnte.
Verwandtschaftliche Beziehungen nach Leutkirch im Allgäu sorgten dafür, dass das Butterfass und die Käsekiste immer mit guter Qualität und frischer Ware gefüllt waren.
Selbst in noch schlechteren Jahren schafften es meine Großeltern immer etwas zum Essen und eigenen Wein auf den Tisch zu stellen. Das hatte sich bald herumgesprochen und so traf man schon immer honorige Leute Schultes, Doktoren und Geschäftsleute in der Traube.

In den Jahren 1916, 1919 und 1921 bekamen die Finks einen Sohn und zwei Töchter.
Der Sohn, der nach dem Gymnasium beim Sitzmöbel Geiger (später Royal Stilmöbel) in Steinheim Kaufmann gelernt hatte, fiel 1944 bei Breda in Holland.
Irene, die ältere Tochter kümmerte sich dann später mit dem Vater um Weinberge und Landwirtschaft. Irma, die Jüngste, ist damals schon lieber in der Wirtschaft oder im Lädle.
Seit 1912 ist die Traube eine “ öffentliche Telefonstelle“.
Später die offizielle Poststelle Hof und Lembach.

Ende der 50er übernahm Irma Kübler von ihrer Mutter die Traube, war Poststellenleiterin und Bahnhofsvorsteherin.

Ihre Art die Traube mit Ihrer Schwester zu führen machte sie im weiten Umkreis als Original und IRMA bekannt. Für zahlreiche Anekdoten sorgte sie und für honorige Gäste.
So z.B. Max Schmeling der damals in Oberstenfeld trainierte, die Mutter von Arnold Schwarzenegger verschlug die Liebe für einige Jahre ins Bottwartal nach Hof und Lembach.
Auch sie kam mit Arnold, wenn dieser Sie einmal besuchte, zum Göckele essen in die Traube. Das Hähnchen braten war so ca. 1965 ein Versuch der sich zunehmend zur Spezialität entwickelte.

Ivo Bulanda, der Filmemacher aus Beilstein brachte gerne seine Gäste mit. Dietmar Schönherr z.B., den Journalisten Wolfgang Korun, Reinhard Eichelbeck.

1981 übernahm dann der Neffe Wolfgang Fiederer mit seiner Frau Margot die Traube.
Sie nutzten die gute vorhandene Basis und bauten die Spezialität Hähnchen mit Kartoffelsalat weiter aus. Wobei die Gewürzrezeptur der Hähnchen und der Kartoffelsalat immer noch dieselben sind wie bei der Irma und Irene.

Mit Unterstützung der ganzen Familie, können die Fiederers nun mit der Traube ihr 100er Jubiläum feiern.

(geschrieben von Wolfgang Fiederer)

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